In der Landküche des Kulturvereins  HEHLINGER ROLAND werden lokale und traditionelle Gerichte aus Hehlingen und Umgebung vorgestellt und von Vereinsmitgliedern nachgekocht.


letzte Änderung am 28.01.2026


Ansicht von Hehlingen

Zeichnung von Claudia Schmalkuche, aus: Erstes Hehlinger Kochbuch von 2012

Hehlingen und Landküche


Hehlingen entstand vor etwa 1700 Jahren als bäuerliche Siedlung. Mit der Mechanisierung und Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert verschwanden die landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetriebe und auch das Kleingewerbe in Hehlingen. Landwirtschaft wird heute nur noch im Nebenerwerb betrieben. Die Siedlung entwickelte sich zum Wohnort und Ortsteil der Stadt Wolfsburg.

 

Von Anbeginn wurde von Frauen täglich in Hehlingen gekocht und in jüngerer Zeit auch von Männern. Die Zutaten kamen damals aus dem eigenen Garten, vom Feld und aus der Kleintierhaltung. Fleisch war Mangelware. Jahreszeiten und Witterungseinflüsse bestimmten den oft kargen Speiseplan. Erst im 18. Jahrhundert erweiterten sich die Zutaten der Gerichte um die gekochte Kartoffel, die roh mit der ganzen Pflanze giftig ist. Im 19. Jahrhundert wurde die Zuckerrübe angebaut und damit war Zucker preiswert verfügbar. Durch die Ansiedlung der Automobilindustrie in Wolfsburg im 20. Jahrhundert kam zunehmender Wohlstand auch nach Hehlingen. Die möglichen Zutaten für Gerichte erweiterten sich bedeutend. Sie kamen nun aus aller Welt.

 

Die Rezepte lernten die Töchter meist von ihren Müttern. Schriftliche Aufzeichnungen und Kochbücher waren selten. Erst 2012 entstand ein Erstes Hehlinger Kochbuch. Die folgenden Rezepte der Gerichte werden mit je einer kleinen Geschichte eingeleitet, die eine Tradition in Hehlingen und der Umgebung belegen soll. Der Kulturverein HEHLINGER ROLAND, der laut Satzung überliefertes Traditionsgut erhalten will, hat die Gerichte nachgekocht und dokumentiert.


Prilleken


Ein in Fett/Öl ausgebackenes Hefeteiggebäck wird im Raum Braunschweig, Wolfsburg, Nordharzvorland und bis in die Börde hinein als Prilleken bezeichnet. An anderen Orten heißt das Gebäck Krapfen oder Pfannkuchen. Moderne Bezeichnungen sind Berliner oder Donut.

Prilleken können auch gefüllt sein und in verschiedenen Formen ausgebacken werden. In einem alten Braunschweiger Rezeptbuch mit dem Titel Braunschweigisches Kochbuch von 1800 [2. Aufl., S. 502] werden die Prilleken, auch Fastnachtskrapfen genannt, aus Hefeteig gemacht, rund ausgestochen und zu einem halben Mond zusammengeklappt. Vorher wurden sie mit Johanisbeeren, Kirsch- oder Himbeer-Marmelade gefüllt.

Braunschweiger Prilleken nach dem Rezept nach Riddagshäuser Art haben die Form eines Ringes. Auch in Hehlingen werden rund Ringe ausgestochen oder mit der Hand geformt. Zum Nachbacken empfehlen sich das Rezept Prilleken nach Hehlinger Art in der Version von Hedwig Jordan oder das Rezept Prilleken nach Hehlinger Art in der Version von Brigitte Winkelmann. Auch im Nachbarort Nordsteimke werden fleißig Prilleken gebacken.

Vor Jahrhunderten wurden die Rezepte in mündlicher Form, in Hehlingen und Umgebung in Plattdeutsch, überliefert. Regina Zimmermann aus Hattorf hat das Prilleken-Rezept ins Plattdeutsche zurückübersetzt.

Aus dem Raum Goslar ist ein Prilleken-Spruch aus der Fastnacht überliefert. Er lautet: "Fuje, fuje, Fastelabend. / Möchte gern en Prilleken haben, / En Prilleken is tau wennich, / Nehme lieber twei Pennich." *) "Fuje" steht für Abkehren zum Aschermittwoch, vermutlich ein Abwehrbrauch aus alter Zeit.


*) Wille, Louis, 1967. Fasselabendtiet-Prillekentiet: Fastnachtssitten und -bräuche am Nordharz. In: Braunschweigische Heimat, 53. Jg., Hefte 1-4, S. 16-19.



2026/01   -   Prilleken- Brigitte Winkelmann, 2. Vereinsvorsitzende des Kulturvereins Hehlinger Roland, hat im Januar 2026 das alte Rezept Prilleken nach Hehlinger Art nachgebacken. Die Bilder zeigen die einzelnen Arbeitsschritte und hier das Rezept zum Nachbacken. Zur Vorstandsitzung am 21. Januar fand die Verkostung statt. Es hat allen Gästen hervorragend geschmeckt.

Fotos von Brigitte Winkelmann (Nr. 1, 2) und von Thomas Hertel (Nr. 3-12)

Röhrenklump


Das Gericht Röhrenklump besteht hauptsächlich aus Kartoffeln, Eiern und Speck. Im Gegensatz zum bekannten Gericht von Bratkartoffeln mit Eiern und Speck werden die Zutaten beim Röhrenklump zu einer Masse (Klump = Klumpen) vermengt und in einer Backröhre (Röhre) gebacken.


Der Röhrenklump ist ein traditionelles Gericht in der Region Braunschweig, Wolfsburg und Helmstedt. Es ist auch in Nordhessen u. a. in der Stadt Borken bekannt und zählt zu den dreißig Lieblings-Gerichten in Hessen.

 

Im Ersten Hehlinger Kochbuch von 2012 (S. 71) beschreibt Brigitte Allermann aus Hehlingen ihre Art Röhrenklump (Rezept:Röhrenklump nach Hehlinger Art) herzustellen und zu backen. Zur Tradition schreibt sie: „Röhrenklump war einst das Lieblingsgericht meiner Schwiegereltern Willi u. Erika Allermann [in Hehlingen].“ Im Januar 2017 bot Brigitte Allermann [rechts im Bild] dem Hehlinger Arbeitskreis "Unser Dorf hat Zukunft" ihre Art Röhrenklump zur Verkostung an.


In den Ortsteilen der Stadt Wolfsburg gibt es örtlich verschiedene Arten den Röhrenklump zuzubereiten. So unterscheiden sich die Gerichte in Hehlingen von denen in Vorsfelde (Rezept:Röhrenklump nach Vorsfelder Art), in Fallersleben (Rezept:Röhrenklump nach Fallersleber Art) oder in Nordsteimke. In Riddagshausen (Stadtteil von Braunschweig) (Rezept: Röhrenklump nach Riddagshäuser Art) wird er auch mit Sauerkraut angerichtet.



2025/02   - Röhrenklump nach Hehlinger Art - Brigitte Winkelmann, 2. Vereinsvorsitzende des Kulturvereins Hehlinger Roland, hat im Dezember 2024 das alte Rezept Röhrenklump nach Hehlinger Art in der heimischen Küche nachgebacken. Die Bilder zeigen die einzelnen Arbeitsschritte. Durch die etwas größere Menge verlängerte sich die Garzeit auf etwa drei Stunden. Ihr Fazit: "Bei der Zubereitung gab es keine Probleme und beim Backen auch nicht. Es hat fantastisch geschmeckt."

Fotos von Brigitte Winkelmann